Männerschwarm Woche – Verlagsinterview

Heute veröffentliche ich das Interview welches ich mit Joachim Bartholomae von Männerschwarm Verlag geführt habe.

Ich persönlich fand es sehr schwierig sinnvolle Fragen für einen Verlag zu finden, denn was soll man einen Verlag fragen? Ich habe mich dieser Aufgabe gestellt und ich hoffe euch gefällt das Ergebnis.

Ach ja, die Antworten habe ich Kursiv gemacht, die Fragen normal, ein wenig übersichtlich soll es ja schließlich sein.

Aber nun geht es los

 

Welcher Art von Büchern Vertreiben Sie?

Belletristik, Sachbuch, Erotik und Comic.

 

Was genau unterscheidet einen “schwulen” Verlag (ich mag den Ausdruck nicht wirklich) von einem “normalen”. Sind die Ansprüche der Leser soviel anders, wenn man mal von der erotischen Literatur absieht?

Wir gebrauchen den Ausdruck “schwuler Verlag” nicht. Wenn man will kann man uns so nennen, weil beide Menschen, die für den Verlag arbeiten, schwul sind. Wir kümmern uns darum, dass solche Bücher, die von anderen Verlagen abgelehnt werden, weil sie “zu schwul” sind, trotzdem veröffentlicht werden. Für uns zählen nur literarische Gesichtspunkte bei der Auswahl von Büchern.

 

Ist es nicht teilweise schwierig, als “schwuler” Verlag sich auf dem Buchmarkt zu behaupten? Ich meine damit noch nicht einmal unbedingt bei den Lesern, sondern eher unter den anderen Verlagen und bei Großhändlern.

Es ist tatsächlich anders herum: andere Verlage (an die wir ja öfters Lizenzen unserer Originalausgaben verkaufen) und Großhändler finden uns prima, aber die Zahl der schwulen Leser wird immer kleiner. Anfang der 90er Jahre konnten wir noch Auflagen drucken, die mehr als doppelt so hoch waren wie heute. Man muss befürchten, dass die jüngeren Schwulen noch nicht entdeckt haben, wie interessant die Auseinandersetzung mit Literatur sein kann. Allerdings kommt auch so viel Mist auf den Markt, dass ein Leser durchaus irgendwann die Lust daran verlieren kann, nach Büchern mit schwuler Thematik zu greifen.

 

Hätten Sie gedacht das Sie mit dem Männerschwarm Verlag so einen Erfolg haben würden das selbst 10 Jahre nach der Gründung weiterhin regelmäßig Bücher erscheinen können?

Wir sind seit 18 Jahren im Geschäft, und das Leben ist seitdem kontinuierlich härter geworden. Ein guter Ruf bei Presse und in der Branche hilft leider nur wenig, die Miete zu bezahlen. Aber da die Miete (und die Gehälter) ziemlich niedrig sind, kommen wir irgendwie über die Runden. Als Erfolg sehe ich die vielen Bücher an, die ohne uns nie erschienen wären. Darauf sind wir recht stolz und das hätten wir so im Jahr 92 sicher nicht erwartet.

 

Wie würden Sie “DEN LESER” beschreiben der Bücher Ihres Verlages liest, oder gibt es diesen gar nicht?

Tja, wenn ich “den” kennen würde! Unser Bücher richten sich an Menschen, die Literatur als etwas begreifen, mit dem man sich auseinandersetzen muss, das auch mal provozierend oder anstrengend sein darf und nicht nur ständig eine heile geile Welt vorgaukelt. Menschen, die Bücher ebenso für Kunst halten wie ein Gemälde oder ein Musikstück, und nicht nur schmalzige Liebesgeschichten erwarten. Da ich weiß, wie aufregend ein solcher Zugang zur Literatur ist, gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass diese Art zu Lesen irgend wann einmal wieder mehr in Mode kommen wird, als das heute der Fall ist.

 

Werden nur Schwule/Lesbische Autoren angenommen, oder steht der Verlag allen Autoren offen, solange diese ein gutes Manuskript einreichen?

wir haben Autoren jedes Geschlechts und jeder sexuellen Orientierung.

 

Wie viele Autoren veröffentlichen momentan Ihre Bücher über Ihren Verlag?

darauf lässt sich nur schwer eine Antwort geben, weil z.B. im Sachbuch viele Autoren nur ein einziges Buch bei uns veröffentlichen, und selbst in der Belletristik kommen die meisten Autoren nicht über zwei, drei Bücher hinaus. Insofern liegt die Zahl der wirklichen Stammautoren zirka bei 15.

 

Auf welche drei Bücher, die in diesem Frühjahr/Sommer erscheinen möchten Sie gerne die Leser dieses Blogs hinweisen, welche haben Ihrer Meinung nach das Zeug ein Bestseller zu werden?

Odd Klippenvågs Roman “Der Stand der Dinge” beweist gerade, dass ein Buch über ältere Menschen eine große Leserschaft finden kann, das ist für mich eine echte Überraschung und freut mich sehr. “Pauls Bücher” zeigt, dass man über Sex und Erotik in der Beziehung unheimlich kluge Sachen schreiben kann, die außerdem auch noch geil sind. Und “Junge von nebenan” zeigt, dass sich die Welt des Internet ziemlich gut als Romanstoff eignet. Drei von zehn Büchern in diesem Frühjahr.

 

Wenn Sie den Männerschwarm Verlag mit drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?

Spannende Themen, sorgfältige Publikation, Spaß am Lesen.

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